Report: Art Basel Hongkong

Zhang Ding, Black Substance, courtesy: the artist and Shanghart Gallery

Zhang Ding, Black Substance, courtesy: the artist and Shanghart Gallery

Stolzer Auftritt

FAZ vom 14. 03. 2015, Von Magdalena Kröner, Hongkong
Große Ambitionen und die Suche nach Nachhaltigkeit: die dritte Ausgabe der “Art Basel Hongkong” mehrt ihr Starpotential und sorgt für Bewegung in der örtlichen Kunstszene

233 Galerien aus 37 Ländern und Territorien, davon die Hälfte aus dem heterogenen asiatischen und asiapazifischen Raum, zwanzig internationale Neuzugänge, ein „Encounters“-Programm, mit raumgreifenden Skulpturen, die an Größe und spektakulären Schauwerten: die Eröffnung der dritten Art Basel Hongkong ließ nichts für das vornehme Vernissagenpublikum zu wünschen übrig. Kein Zweifel: der Marktplatz Hongkong könnte zur dritten Ausgabe der Messe kaum begehrter sein – trotz oder gerade seines erstmalig aus dem übervollen internationalen Kunstkalender des Mai in den März vorgezogenen Termins. Doch nicht nur der Termin ist neu: die 1976 in Malaysia geborene Artconsulterin und ehemaligen Betreuerin des VIP-Programms der Messe, Adeline Ooi wurde zur Nachfolgerin des im letzten Jahr zu Bonhams gewechselten Magnus Renfrew ernannt.

Die Demonstranten mit den gelben Regenschirmen, dem Symbol der demokratischen Bewegung in Hongkong, die seit Monaten freie Wahlen fordert, wurden pünktlich zum Jahresbeginn von der Regierung weggescheucht, und so entfaltet das spektakuläre Stadtbild der chinesischen Sonderverwaltungszone scheinbar unbelastet eine boomende Kunst-Vielfalt in der Stadt, die sich nicht mehr übersehen läßt. Erstmals erheben sich die weißen Zelte der Satellitenmesse „Art Central“ am Victoria Harbour; etliche neue Galerien werden in der Messewoche eröffnet; Kunst wird mit Nachdruck in Distrikten wie Kowloon oder Chai Wan angesiedelt. Die Szene in Hongkong etabliert sich: so zog der renommierte Projektraum Para/Site in größere Räume in North Point, außerdem luden „M+“-Direktor Lars Nittve und Kurator Tobias Berger am Messevorabend zu „Moving Images“, einem Programm mit Künstlerfilmen und Videos in Causeway Bay ein, das einen ersten Vorgeschmack auf das 2018 eröffnende asiatische Supermuseum M+ gab, das mit einem jährlichen Ankaufsetat von 40 Millionen US Dollar die Verhältnisse an europäischen Museen kurzerhand ins Abseits stellt.

Christopher Williams Untitled (Study in Gray) 1967 Citroen DS, Courtesy Galerie Gisela Capitain, Köln

Christopher Williams
Untitled (Study in Gray)
1967 Citroen DS, Courtesy Galerie Gisela Capitain, Köln

Die Messe selbst zeigt sich stark wie nie zuvor: neben dem fast schon zur Gewohnheit gewordenen Line-Up großer Galerien wie Gagosian, Pace, Perrotin oder Zwirner (mit einem „mehrfach reservierten“ Chris Ofili für zwei Millionen US-Dollar im Gepäck), sind in diesem Jahr 20 Galerien erstmals mit dabei, darunter Mehdi Chouakri aus Berlin, Thomas Dane aus London, Goodman aus Südafrika oder Gisela Capitain aus Köln. Sie zeigt für ihren ersten Auftritt in Asien eine klassische Auswahl aus ihrem Galerieprogramm, etwa Christopher Williams mit seinen hochglanzpolierten Studien eines 67er Citroen oder Seth Price. Und auch Martin Kippenberger darf natürlich nicht fehlen: sein mit 1,2 Millionen Euro bezifferter „7. Preis“ von 1987 zählt längst zu seinen ikonischen Werken. Und es ist wohl bezeichnend für die berüchtigte Lust an der „Hommage“, die viele junge chinesische Künstler sich zum Programm gemacht haben: bei Simon Lee ein paar Stände weiter hängt ein Werk mit verblüffender Ähnlichkeit zu Kippenberger: es ist „An (effervescent) Self Portrait“ von Rang Huan, der ebenfalls einen 7. Preis verleiht, allerdings für den dümmsten Namen: „Rick Titball“, mit 35.000$ ein Schnäppchen.

Stammgäste wie Lorenz Helbling, der europäische Galerist mit der längsten Präsenz in Asien, ist seit 2008 in Hongkong dabei. Für ihn ist die Art Basel Hongkong fraglos der wichtigste Messetermin in der Region – eine Dependance außerhalb des chinesischen Festlandes führt Helbling aber lieber in Singapur als in Hongkong: „Es ist einfach zu teuer hier“. Er konzentriert sich auf jüngere chinesische Künstler, was einige Entdeckungen ermöglicht, wie die aus filigranem Glas und oxidiertem Stahl gefügte Skulptur „Black Substance“ des 1980 geborenen, in Shanghai lebenden Künstlers Zhang Ding, der im Herbst erstmals in Europa im Londoner ICA institutionell präsentiert wird. Eine psychedelisch bunte Variante chinesischer Tuschmalerei aus der Jetztzeit, hier aber in Acryl auf Fotopapier ausgeführt, zeigt der in Peking lebende Künstler Sun Xun. (Preise 3000-800.000 $ )

In der glänzenden Überfülle drohen zurückhaltendere Positionen fast übersehen zu werden. Chemould Prescott Road aus Mumbai sind in diesem Jahr zur Messe zurückgekehrt und zeigen einen verspielten Kabinettschrank von Indiens Kunststar Atul Dodia, der mit einer Fülle kunsthistorischer Verweise aus Indien und dem Westen gespickt ist, darunter – hier ist die Hommage tatsächlich eine solche – einem Bild im Stile des im letzten Jahr verstorbenen On Kawara mit seinem Todesdatum, dem 20. Juli 2014. (80.000$)

Encounters:  Eko Nugroho (@Arndt) Art Basel in Hong Kong 2015 © Art Basel

Encounters: Eko Nugroho (@Arndt) Art Basel in Hong Kong 2015 © Art Basel

Deutlich ruhiger geht es in Halle 3 zu: hier begrüßt Indonesiens Superstar Eko Nugroho in der Sektion „Encounters“ die Besucher mit seinen bunt bestickten Teppichen und futuristischen Raumfahrern. Eine echte Entdeckung hat Hopkins Mossman aus Auckland mitgebracht: Arbeiten des 1988 geborenen Neuseeländers Oscar Enberg, der die exotische Fantasie-Ästhetik eines Casinos in Macau in handwerklich perfekt ausgeführte, geradezu surrealistische Assemblagen übersetzt: an einer Art Holzgeweih mit Tigerpranken an den Enden hängt ein Beutel mit Goldfischen. Auf einem eleganten Spieltisch thront ein Camembert unter Glas (Preise von 3000 bis 8000 $).
Das Heterogene, das unter einer bewährten Klammer zu etwas Neuem zusammenfindet – vielleicht ist das das beste Symbol für die glänzende Zukunft der Art Basel Hongkong. Messe bis 17. März.

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