Review: Duane Michals @ NRW-Forum, Düsseldorf

Selfportrait asleep in the tomb of Mereruka at Sakkara © Duane Michals Copyright Duane Michals. Courtesy Admira, Milan / Galerie Clara Maria Sels, Duesseldorf

Selfportrait asleep in the tomb of Mereruka at Sakkara
© Duane Michals
Copyright Duane Michals. Courtesy Admira, Milan / Galerie Clara Maria Sels, Duesseldorf

Alles ist erleuchtet

Fotografien von 1958 – 2013: Duane Michals im Düsseldorfer NRW-Forum
Von Magdalena Kröner

FAZ vom 07. 02. 2014

„Wenn ich etwas fotografiere, möchte ich wissen, wie es sich anfühlt, und nicht wie es aussieht.“ Es mag erstaunen, wenn ein Fotograf einen solchen Satz sagt, doch für Duane Michals scheint er geradezu typisch zu sein. Der 1932 in Pennsylvania geborene, in New York lebende Künstler schaut auf die Welt durch eine Kamera, doch liegt ihm weniger daran, die Realität festzuhalten, als durch sie hindurchzuschauen. Nun sind eine Reihe seiner wichtigsten Arbeiten in einer knapp terminierten Übersichtsausstellung im Düsseldorfer NRW-Forum zu sehen.

Mit einer geliehenen Kamera fotografierte Michals im Jahr 1958 erstmals auf einer Reise durch die damalige Sowjetunion. Die hier entstandenen, dokumentarischen Fotos machten ihn sofort bekannt. Bereits im selben Jahr entstanden in New York erste Portraits befreundeter Künstler, die nicht nur viel über die gezeigte Person, sondern ebensoviel über deren Werk sagten: Andy Warhol, der sein Gesicht hinter seinen Händen verbirgt, Claes Oldenburg, der eine Lupe an sein Profil hält, René Magritte, der, doppelt belichtet, mit seiner Staffelei zu verschmelzen scheint.

Andy Warhol - 1973 © Duane Michals Copyright Duane Michals. Courtesy Admira, Milan / Galerie Clara Maria Sels, Duesseldorf

Andy Warhol – 1973
© Duane Michals
Copyright Duane Michals. Courtesy Admira, Milan / Galerie Clara Maria Sels, Duesseldorf

Doch unverwechselbar wurde Duane Michals mit poetischen Bildsequenzen, wie etwa „The Spirit leaves the Body“ aus dem Jahr 1968: Michals zeigt einen nackten Mann, der auf einer Bahre liegt und sein geisterhaft wirkendes Alter Ego, das aus dem Körper aufsteht, durch den Raum geht und schließlich verschwindet.

Michals fotografierte sich auch immer wieder selbst, mal als Geist mit Flügeln, mal als Doppelgänger seiner selbst, mal als Zuschauer dessen, was er in seinen Bildern inszeniert. „Die Realität zu fotografieren, heißt, nichts zu fotografieren,“ schrieb er einmal auf eine seiner Fotografien. So schuf er jenseits allen Dokumentarismus ebenso einfache wie eindringliche Bilder für archaische Themen wie das Begehren, die Vergänglichkeit oder den Tod, die durch die Zeit hindurch wirkten. Auch die eigene Homosexualität war früh Thema, als privates Bekenntnis, aber auch als Statement zu einem gesellschaftlichen Tabu. Als er Ende der 60er Jahre begann, Texte auf seine Fotografien zu schreiben, fügte er nicht nur dem Gezeigten eine weitere Ebene hinzu, sondern löste auch die Hierarchie von Bild und Text auf.

Chance Meeting - 1970 © Duane Michals Copyright Duane Michals. Courtesy Admira, Milan / Galerie Clara Maria Sels, Duesseldorf

Chance Meeting – 1970
© Duane Michals
Copyright Duane Michals. Courtesy Admira, Milan / Galerie Clara Maria Sels, Duesseldorf

Alles, was Duane Michals Kunst unverwechselbar macht, findet sich auch in seiner autobiographischen, 30 Fotografien umfassende Bildserie „The House I Once Called Home“. Im Jahr 2001 besuchte er das Haus seiner Kindheit und erweckte die verlassene Ruine durch seine Fotografie zum Leben. Er überlagerte alte Familienfotos mit neuen Aufnahmen, so dass die verstorbenen Verwandten wie Geister in die leeren Räume zurückzukehren schienen, er belichtete Innen und Außen, Gestern und Heute gleichzeitig und tastete sich mit der Kamera die verfallenden Wände des Hauses entlang.

Portrait of Magritte in his garden (double-exposed) - 1965 © Duane Michals Copyright Duane Michals. Courtesy Admira, Milan / Galerie Clara Maria Sels, Duesseldorf

Portrait of Magritte in his garden (double-exposed) – 1965
© Duane Michals
Copyright Duane Michals. Courtesy Admira, Milan / Galerie Clara Maria Sels, Duesseldorf

 

Seit einiger Zeit sucht der Künstler neue Wege in seiner Arbeit, und es scheint, als schüttele er dabei ein paar Bedenken ab, die man ihm als Letztem zugetraut hätte. In Camille Guichards 2013 entstandenem Dokumentarfilm „The Man Who Invented Himself“, der in der Ausstellung gezeigt wird, sagt Duane Michals zu einer ausgestopften Ente: „Ich war immer ein frustrierter Maler“, während er in seinem Landhaus in Vermont an einem Tisch sitzt und auf einer kleinen Palette Farben anmischt. Die Ergebnisse sind nun erstmals in Düsseldorf zu sehen: Michals malt direkt auf gefundene, historische Ferrotypien; Ansichten aus Paris oder Portraits von Unbekannten. Hier probt er eine ungeahnte, geradezu kindliche Respektlosigkeit gegenüber der Fotografie: einem malt er einen Verband um den Kopf und eine gelbe Pfeife in den Mund und tauft ihn „Guillaume Apollinaire“. Ein kleines Mädchen verwandelt er in George Sand: er tupft ihr bunte Dreiecke, Kreise und Linien ums Gesicht als Zeichen dessen, was dort einmal an Phantasie blühen wird. Wenn Zeit relativ ist und die Realität bloß eine Einbildung, dann beginnt es für diesen Künstler erst, Spaß zu machen.

Ausstellung bis 2. März, kein Katalog.

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